Selbst wenn Bodo Walther es über einen Gerichtsbeschluss schafft, dass die Landtagsabgeordneten auch Leute, die nicht in der DDR geblieben sind, bei der Wahl berücksichtigen müssen, würde sich an der Wahl nicht viel ändern.
Denn die Landtagsabgeordneten werden feststellen, dass der aus politischer Haft freigekaufte Bodo Walther für den Posten des Stasiunterlagen-Beauftragten weniger geeignet ist, als die Pastorin Birgit Neumann-Becker, die in der DDR geblieben und nicht inhaftiert war, dafür aber in der Oppositionsbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ engagiert war und darüber Erfahrungen mit der Stasi sammelte (wie z. B. ich).
Die Pastorin Birgit Neumann-Becker wird von vielen SED-Opfern unterstützt und geschätzt, die sowohl in der DDR geblieben waren, wie auch aus der DDR geflüchtet, vertrieben, freigekauft, oder wie auch immer weggegangen waren. Bei all diesen vielen SED-Opfern handelt es sich um Kämpfer für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Sie sind Anhänger der Wiedervereinigung und unseres Grundgesetzes.
Der freigekaufte Bodo Walther kann sich offensichtlich nur auf ein einziges SED-Opfer stützen, das ihm die „Daumen drückt“: das ist Gustav Rust.
Mit dem Link neben seiner Unterschrift macht Rust u. a. Reklame für Bücher rechtsextremer Autoren (z. B. Sichelschmidt). Herr Rust lehnt die freiheitliche demokratische Grundordnung des Grundgesetzes ab und bekämpft sie. In einem „legitimen“ Aufruf ruft er zum Sturz der Bundesregierung auf. Gustav Rust träumte in seiner DDR-Haft im Gegensatz zu allen übrigen politischen Häftlingen nicht von der bundesdeutschen Verfassung. Überall betont er, indem er ein Zitat von Biermann missbraucht, dass er vom Regen (SED-Diktatur) in die Jauche („’Freiheitliche Demokratie’, die uns von den Alliierten in Form des Grundgesetzes aufgezwängt wurde“) gekommen ist (s. hier).
Mit dieser Einstellung steht Rust in den Opferverbänden ziemlich einsam da. Die UOKG ächtet ihn schon lange, die VOS erwägt den Ausschluss, das Menschenrechtszentrum Cottbus meint: kein verantwortlicher Vorstand würde Rust aufnehmen), sodass seine Empfehlung, die Opferverbände sollten eine Dauer-Mahnwache vor dem Magdeburger Landtag zu Gunsten von Bodo Walther organisieren, wohl kaum Gehör finden wird.
Verfasser K.